Jeder von uns hat

Steine im Rucksack

Eine kleine Hilfestellung für alle, die sich den Steinen in ihrem Rucksack widmen möchten

Sie fühlen sich in Ihrem Alltag getrieben oder schwermütig?

Vielen Menschen geht es heutzutage so, dass sie das Gefühl haben, ihren Alltag nicht mehr bewältigen zu wollen oder zu können. Sie fühlen sich wie in einem Hamsterrad und spüren keine Motivation mehr, jeden Tag weiter in diesem Rad zu laufen. Oder sie fragen sich, was sie überhaupt mit diesem Leben anfangen sollen. 

Ignorieren Sie solche Gefühle und Gedanken nicht! Sie können Anzeichen eines tiefer liegenden Problems sein.

Meine eigene Geschichte ist eine solche Geschichte der absoluten Verdrängung. Über Jahrzehnte habe ich das latente Gefühl der Lebensunlust und Sinnlosigkeit für normal gehalten und in meinem Leben Karriere, Geld, Autos und Frauen angehäuft und gedacht, das sei normal und sinnvoll.

Erst meine dritte Kündigung und ein Nervenzusammenbruch brachten mich zum Reflektieren, führten mir vor Augen, dass mein Wechsel zwischen Schwermut und Getriebenheit in Wirklichkeit eine Depression ist und diese Erkenntnis brachte mich letztendlich dazu, eine Therapie aufzunehmen. Erst dort und erst nach viel Arbeit konnte mir meine Therapeutin begreiflich machen, dass ich – für viele Jahre unbewusst – schon immer schwere Steine in meinem Rucksack mit mir herumgeschleppt habe. Bei Interesse können Sie meine Geschichte hier nachlesen.

Seit ich mich den Steinen in meinem Rucksack widme, geht es mir viel besser als jemals zuvor in meinem Leben. Ich habe aufgeräumt, ich habe viele Steine ausgepackt und sie dorthin zurück gebracht, wo sie hingehören und ich habe gelernt, mit anderen zu laufen und sie wertzuschätzen. Ich bin für den Zusammenbruch und die daraus entstandene Klarheit heute ernsthaft dankbar, denn dieser Anstoß hat mein Leben so nachhaltig und so positiv verändert, wie ich es nie zuvor für möglich gehalten hätte.

Darum möchte ich meine Erfahrungen weitergeben. Und aus Erfahrung sage ich: nehmen Sie Ihre Gefühle ernst und schauen Sie hin. Vielleicht verbirgt sich nichts Schlimmes dahinter. Vielleicht haben aber auch Sie ein paar Steine im Rucksack, die Sie loswerden können!

 

 

Was können Sie jetzt tun?

  • Finden Sie mit Online-Tests heraus, ob es nur Schwermut oder doch schon eine Depression ist 
  • Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt – dort können körperliche Ursachen abgeklärt werden 
  • Lesen Sie Erfahrungsberichte von anderen Betroffenen, um zu sehen, ob sie ähnliche Geschichten erlebt haben
  • Beschäftigen Sie sich mit Ihrer Vergangenheit und ihrem inneren Kind (bspw. über passende Bücher)
  • Tauschen Sie sich mit Freunden oder Bekannten aus, die bereits Erfahrungen mit Depression haben
  • Nehmen Sie Kontakt zu einem Therapeuten auf – es ist einfacher und sinnvoller, als Sie vielleicht denken!

Wenn bei Ihnen eine Depression diagnostiziert wurde...

…dann ist das ganz und gar kein Grund, traurig zu sein. Es bedeutet erst recht nicht, dass Sie ab sofort nicht mehr lachen dürfen. Ganz im Gegenteil. Sie haben jetzt allen Grund, glücklich zu sein. Auch wenn Sie sich heute noch nicht so fühlen und auch wenn sich diese Worte jetzt erst mal fremd und sehr weit weg anfühlen. Aber sie begeben sich jetzt auf einen Weg. Sie sitzen nicht mehr still und halten aus. Sondern sie laufen los und eines Tages (und wahrscheinlich gar nicht so weit in der Zukunft) werden sie verstehen, wieso Sie über diese Entscheidung glücklich sein dürfen.  

Denn von heute an widmen Sie sich Ihrer Erkrankung. Sie nehmen den Kampf auf. Sie lassen sich nicht mehr von Ihrer Krankheit treiben. Sie holen die Krankheit aus der dunklen Ecke. Sie geben ihrem Schmerz einen Namen. Sie begeben sich auf einen Weg, auf dem sie sich Ihren innersten Themen stellen. Und sie werden auf diesem Weg viel Hilfe bekommen. 

Dieser Wegweiser soll Ihnen dabei zur Hand gehen und Ihnen zeigen, welche Stellen sich auf welche Weise um Sie kümmern und zu Ihrer Gesundung beitragen möchten. 

Welche Angebote Sie wahrnehmen und welche nicht, liegt aber ganz bei Ihnen. Eines aber haben alle Angebote gemeinsam: 

Sie werden Sie und Ihre Erkrankung ernst nehmen. Sie müssen ab jetzt nicht mehr beweisen, dass Sie leiden. 

Und darum dürfen Sie auch mal lachen. Das sollen Sie sogar. Denn Lachen ist gesund. Und jeder, der mit Depressionen zu tun hat, versteht, dass auch jemand, der unter einer Depression leidet, nicht den ganzen Tag eine Depression auf zwei Beinen darstellen muss.

Tun Sie, wonach Ihnen ist und akzeptieren Sie jedes Gefühl – positiv wie negativ. Tun Sie nur nichts, was Ihnen die Chance auf ein danach nimmt.  

Ab jetzt gilt:

  • Sie müssen niemandem mehr beweisen, dass Sie leiden 
  • Sie bekommen Hilfe 
  • Sie dürfen traurig und niedergeschlagen sein 
  • Sie dürfen aber auch mal lachen, wenn Ihnen danach ist 

Fünf Dinge, die Sie jetzt sofort tun können

Für Ihren Hausarzt ist es wichtig, über Ihren seelischen Zustand Bescheid zu wissen. Gegebenenfalls kann er körperliche Ursachen abklären (bspw. eine Schilddrüsenunterfunktion) und bei künftigen Erkrankungen auch eine psychosomatische Ursache bedenken.

Falls notwendig, kann Ihr Hausarzt Sie auch so lange krankschreiben, bis Sie in eine fachärztliche Behandlung beim Psychiater übergehen.

Zudem sollten Sie psychopharmakologische Medikamente immer sowohl mit Ihrem Facharzt und mit Ihrem Hausarzt besprechen, um mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten auszuschließen. 

Sollten Sie noch keinen Hausarzt haben, ist jetzt ein guter Zeitpunkt, einen zu suchen. Es ist wichtig, dass Sie einen Anlaufpunkt haben, an dem Ihre medizinischen Befunde gesammelt werden, so dass Sie ganzheitlich behandelt werden können. 

Kontaktieren Sie einen Psychotherapeuten, um erste Hilfe zu bekommen! Psychotherapeuten müssen im Rahmen der psychologischen Sprechstunde innerhalb von vier Wochen einen ersten Gesprächstermin anbieten. Hier finden Sie weitere Informationen zu dieser Regelung.

Im Rahmen der psychologischen Sprechstunde kann der Therapeut Ihre Problematik eingrenzen und gemeinsam mit Ihnen über die nächsten Schritte sprechen. Diese können dann die Aufnahme von probatorischen Sitzungen sein, der Beginn einer Akut-Therapie, eine Überweisung an einen Psychiater, der Ihnen Medikamente verschreibt, eine Einweisung bzw. Überweisung an eine Klinik oder eine Wartezeit bis zur Aufnahme einer Therapie.

Wichtig ist aber, dass Sie ins Gespräch kommen!

Suchen Sie nach Selbsthilfegruppen in Ihrer Gegend, die sich mit einer ähnlichen Geschichte oder einer ähnlichen Erkrankung befassen. In Selbsthilfegruppen findet oft ein reger Austausch zum Umgang mit der Krankheit statt, der Ihnen helfen kann, sich auf einen neuen Alltag einzustellen und allgemeine Verhaltens-Tipps mitzunehmen.

Im Umfeld anderer Erkrankter fällt es zudem leichter, sich ohne die Gefahr von Stigmatisierung zu öffnen und offen über seine Themen zu sprechen.

Das Schöne an Selbsthilfegruppen ist, dass die Menschen um Sie herum meistens Ihre Probleme kennen und Sie daher ganz anders und oft viel besser verstehen können als Ihr eigentliches Umfeld bei der Arbeit oder zuhause. Denn diese Menschen haben dieselben Erfahrungen gemacht wie Sie. 

Und ganz nebenbei lernen Sie vielleicht auch ein paar Menschen kennen, mit denen Sie an besseren Tagen in lockerer Atmosphäre gemeinsam etwas unternehmen können.

Die Seite der NAKOS unterstützt beim Finden einer Selbsthilfegruppe. Für junge Menschen gibt es eigenes Portal für junge Selbsthilfegruppen.

Es gibt viele öffentliche und gemeinnützige Einrichtungen, die seelisch erkrankten Menschen zur Seite stehen und Ihnen sowohl beim Bewältigen des täglichen Lebens als auch in Krisen und bei der langfristigen Problembewältigung helfen.

Schauen Sie sich die Angebote der örtlichen Diakonie, der Arbeiterwohlfahrt (AWO), des Bündnisses gegen Depression, des Sozialpsychiatrischen Dienstes, des Gesundheitsamtes oder der Psychiatrischen Träger einfach einmal an. Letztere unterscheiden sich von Region zu Region und können daher einfach von Ihnen über eine Suchmaschine gefunden werden. 

Sicherlich wird nicht jedes Angebot zu Ihnen passen. Aber geben Sie dem einen oder anderen einfach eine Chance. Sie werden auf alle Fälle immer auf Verständnis stoßen und vielleicht eine Inspiration für Ihren weiteren Weg mitnehmen.

Einen Überblick über alle Ansprechpartner in Ihrer Region erhalten Sie sicher an einer der oben genannten Stellen. Scheuen Sie sich nicht, den Kontakt zu suchen und Fragen zu stellen – diese Menschen und Einrichtungen helfen Ihnen gerne!

Zudem finden Sie viele wertvolle Informationen auf den Seiten der deutschen Depressionshilfe

Sie KÖNNEN eine ganze Menge tun. Es kann und darf aber auch sein, dass Ihnen dazu auch einfach mal die Kraft fehlt. Das ist normal bei einer Depression und das dürfen Sie auch annehmen und akzeptieren. 

Gönnen Sie sich etwas Ruhe und versuchen Sie, sich etwas Gutes zu tun. Vielleicht mögen Sie es, sich einen Kakao oder einen Tee zuzubereiten und zu riechen und zu schmecken oder es tut Ihnen gut, ein Bad zu nehmen. Finden Sie heraus, was Ihnen in tiefen Momenten hilft und erlauben Sie sich diese Momente. 

Sie müssen nicht in jeder Sekunde funktionieren. Erst recht nicht, wenn Sie unter einer Depression leiden. 

Seien Sie gnädig mit sich. Morgen ist auch noch ein Tag. Aber tun Sie bitte nichts, was Ihnen die Chance auf ein Morgen nimmt

Es gibt viel mehr helfende Hände, als Sie vielleicht aktuell sehen können!

(klicken Sie ruhig mal auf die kleinen Hände neben den Überschriften auf der linken Seite)

Wer hat jetzt welche Aufgabe?

Therapeut

Mit einemTherapeuten gehen Sie tief in Ihre alltäglichen Probleme hinein und entwickeln Strategien, wie Sie diese bewältigen können.
Bei der Auswahl des Therapeuten sollten Sie einige Dinge berücksichtigen, die Sie hier nachlesen können.
Am Wichtigsten ist, dass Sie ihrem Therapeuten bzw. Ihrer Therapeutin vertrauen und das Gefühl haben, dort alles besprechen zu können - auch und gerade, wenn Sie einmal das Gefühl haben sollten, dass das Vertrauen angeknackst ist.

Hausarzt

Ihr Hausarzt sollte Bescheid über alles, was Ihre körperliche Konstitution betrifft. Gerade, wenn Sie Psychopharmaka einnehmen, sollten Sie in engem Austausch mit Ihrem Hausarzt stehen, um mögliche Nebenwirkungen erkennen zu können und unter Kontrolle zu halten.

Facharzt / Psychiater

Ihr Psychiater hat die Aufgabe, Sie ggf. medikamentös einzustellen und Ihnen entsprechend Psychopharmaka zu verschreiben. Viele Psychiater bieten inzwischen aber auch Beratungen zu pflanzlichen Alternativen an.
Ein Psychiater ist der zuständige Facharzt für die medizinische Behandlung der Psyche. Er ist daher viel besser über psychopharmakologische Medikamente, ihre Wirkung und ihre Nebenwirkungen informiert als Ihr Hausarzt.
Darum ist eine Triade aus Hausarzt, Therapeut und Psychiater bei allen Menschen mit seelischen Störungen anzuraten.

Klinik

In akuten Notfällen kann es notwendig sein, sich einer stationären Behandlung zu unterziehen, bspw. bei nicht handhabbaren Panikattacken oder Depressionen mit hohem Schweregrad. Informieren Sie sich über die nächste Klinik mit einer Notaufnahme für psychlogische/psychiatrische Notfälle und bauen Sie Vertrauen zu dieser Klinik auf, damit Sie im Notfall nicht zögern, den Kontakt dorthin zu suchen.

Ein Klinikaufenthalt kann auch sinnvoll sein, um nach einem Zusammenbruch erst einmal wieder Fuß zu fassen. Er kann somit auch im Vorfeld einer Therapie stattfinden.

Ämter und Behörden

Je nach Schweregrad Ihrer Depression und der sich daraus ergebenden Einschränkungen kann es sein, dass Sie sich mit verschiedenen Ämtern auseinandersetzen müssen.

So haben Sie bspw. üblicherweise nach sechs Wochen durchgängiger Krankschreibung einen Anspruch auf die Zahlung von Krankengeld - und das auch, wenn Ihnen Ihr Arbeitgeber während der Erkrankung kündigt.

Zudem können Sie bei seelischen Erkrankungen in manchen Fällen einen Grad der Behinderung beantragen.

Soziale Träger

Es gibt eine große Vielfalt an sozialen Trägern, die es als ihre Aufgabe ansehen, Menschen mit seelischen Erkrankungen weiterzuhelfen. Dies kann die Vermittlung von Selbsthilfegruppen sein, Unterstützung beim Behördengang, Hilfe bei der Haushaltsführung oder viele andere Dinge. Einen guten Überblick über Hilfsangebote liefert psychenet.

Deutschlandweit finden sich darüber hinaus Angebote der Diakonie, der Arbeiterwohlfahrt (AWO) und des Gesundheitsamtes. Es lohnt sich aber, auch einfach mal nach "Hilfe bei seelischen Erkrankungen" (oder ähnlichen Begriffen) und ihrer jeweiligen Stadt im Internet zu suchen.

Arbeitgeber

Häufig werden Menschen von seelischen Einschränkungen unvermittelt getroffen und das auch meistens, während Sie im Arbeitsleben stehen.
Für den Umgang mit Ihrem Arbeitgeber müssen Sie ein eigenes Bauchgefühl entwickeln: was können und was wollen Sie erzählen?

Sie sind zu nichts verpflichtet. Auch, wenn Ihr Arzt Sie krankschreibt, sind Sie nicht verpflichtet, dem Arbeitgeber mitzuteilen, weswegen Sie erkrankt sind und wann mit Ihrer Rückkehr zu rechnen ist.

Sie sollten sich aber darüber klar sein, dass Arbeitgeber bei längerfristigen Erkrankungen auch krankheitsbedingt kündigen dürfen. Bei einem kritischen Verhältnis zum Arbeitgeber ist es daher ggf. ratsam, sich mit einem Anwalt abzustimmen.

Anwalt

Auch wenn Menschen mit seelischen Erkrankungen heutzutage viel Verständnis in der Gesellschaft entgegen gebracht bekommen, kann es immer wieder zu juristischen Auseinandersetzungen kommen.

Mögliche Auseinandersetzungen mit dem Arbeitgeber sollten Sie nach Möglichkeit immer arbeitsrechtlich prüfen lassen, damit Sie hier nicht in vorauseilendem Gehorsam eine Entscheidung treffen, die Sie später teuer zu stehen kommt.
Bei Auseinandersetzungen mit Ämtern und Behörden lohnt sich ggf. eine Mitgliedschaft beim Sozialverband VdK. Ein erstes Informationsgespräch ist kostenlos und bei jeder Auseinandersetzung mit Behörden sinnvoll, wenn Sie das Gefühl haben, dort nicht richtig gehört oder ungerecht behandelt zu werden.

Als Mensch mit seelischen Erkrankungen haben Sie viele Rechte, die Sie auch nutzen dürfen. Ein Anwalt kann Ihnen helfen, diese Rechte kennenzulernen und durchzusetzen.

Selbsthilfegruppe

In Selbsthilfegruppen finden sich Menschen zusammen, die ähnliche Schicksale erlebt haben und erschaffen damit einen Raum, in dem sie sich, ihre Erkrankung und die damit verbundenen Schwierigkeiten im Alltag und im Leben nicht erklären müssen.

Selbsthilfegruppen können von jedem in jeder Form gebildet werden. Meistens organisiert sich eine Gruppe, indem sie einen festen Termin und einen festen Raum hat und gibt sich dann auch weitere Identifikationsmerkmale wie einen Gruppennamen oder eine bestimmte Ausrichtung. Es gibt allerdings auch offene Konzepte.

Eine Selbsthilfegruppe ist maßgeblich zum Austausch mit anderen Betroffenen gedacht. Sie ist keine Therapie und hat auch kein bestimmtes Ziel.

Die Seite der NAKOS unterstützt beim Finden einer Selbsthilfegruppe. Für junge Menschen gibt es eigenes Portal für junge Selbsthilfegruppen. Es lohnt sich aber auf jeden Fall auch, nach einer KISS (Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen) in Ihrer Nähe zu stöbern oder einfach mal "Selbsthilfe" und ihren Ort oder ihre Gegend im Internet einzutippen.

Freunde und Familie

Freunden und Familie kommt die Aufgabe zu, Verständnis für die erkrankte Person aufzubringen. Das ist nicht immer leicht, da seelische Erkrankungen oft auch zu unerwartetem Verhalten des Erkrankten führen können. Umso wichtiger ist es, in dieser Zeit das Vertrauen zu vermitteln, dass der Erkrankte immer willkommen ist.

Freunde und Familie sind keine Therapeuten. Sie haben nicht die Aufgabe, Probleme zu lösen oder Erkrankten zu erklären, wie sie die Welt oder seine persönliche Problemlage sehen. Ihnen kommt zuvorderst die Aufgabe zu, den Erkrankten bei seinem Weg zu unterstützen und ihm das Gefühl zu geben, immer für ihn da zu sein, ohne sich für sich, seine Schwierigkeiten oder seine Aufarbeitung zu erklären oder sogar rechtfertigen zu müssen.

Häufig kann es hier zu Konflikten kommen, weil die Person, die sich ihren Lebensthemen stellt, dabei auch erkennt, dass sie durch die Familie (mit)verursacht wurden. Eine offene und liebende Familie stellt sich gemeinsam mit dem Erkrankten den Themen und unterstützt ihn/sie dabei, die vergangenen Konflikte aufzuarbeiten anstatt sich der Aufarbeitung zu verweigern und den Erkrankten dafür zu bestrafen, Dinge aufzuwühlen, die man selbst lieber versteckt hätte.

Wie komme ich an einen Termin beim Therapeuten?

Immer wieder hören Patienten, dass die Wartelisten in den psychologischen Praxen so voll seien, dass es auf Monate und Jahre hinaus keine Termine geben würde. Das führt oft dazu, dass Erkrankte die Hoffnung verlieren oder sich dem erstbesten Therapeuten mit Haut und Haaren anvertrauen. 

Fakt ist, dass alle Psychotherapeuten seit 2017 im Rahmen der psychologischen Sprechstunde mindestens 100 Minuten pro Woche für eine Erstberatung freihalten müssen. Somit wird sichergestellt, dass für Erstgespräche immer genügend Kapazität bei Therapeuten vorgehalten wird. 

Zudem müssen alle Psychotherapeuten mindestens 200 Minuten pro Woche telefonisch erreichbar sein. Die Zeiten, zu denen sie erreichbar sind, müssen zudem auf einem Anrufbeantworter hinterlegt sein, so dass interessierte Patienten diese erfahren können. 

Bestehen Sie im Zweifel auf diese Rechte und nehmen Sie sich auch das Recht heraus, Therapeuten bei der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) oder Ihrer zuständigen länderspezifischen Psychotherapeutenkammer zu melden, falls dieser sich nicht an diese Regelungen hält und entsprechend keine Termine vergibt. 

Das hat nichts mit Denunziantentum zu tun. Die Kammern können nur über solche Informationen tätig werden, wenn sie hierüber bspw. feststellen, dass es in bestimmten Gebieten eine Unterversorgung gibt. Das können sie aber nicht, wenn sie nicht wissen, wo es Schwierigkeiten bei der Terminvergabe gibt. 

Therapeuten suchen können Sie über die Therapeutensuche der BPtK oder den Arztfinder der KBV oder einfach über Google. 

Sollten Sie gar keine Kraft haben, auf eigene Faust einen Therapeuten zu finden, so können Sie auch Ihre Krankenkasse bitten, dies zu übernehmen. In bestimmten Fällen ist die Krankenkasse dazu verpflichtet, Ihnen einen Erst-Termin bei einem Therapeuten zu organisieren. In diesen Fällen wird dann auch etwaiges Krankengeld so lange gestundet, bis die Krankenkasse erfolgreich war. 

Zudem gibt es in jedem Bundesland eine Terminservicestelle der kassenärztlichen Vereinigung. Durch diese wird gewährleistet, dass Sie innerhalb von vier Wochen einen Termin bei einem Psychotherapeuten bekommen. 

Als Patient haben Sie das Recht, Erst-Gespräche bei unbegrenzt vielen Therapeuten zu führen. Nutzen Sie dieses Recht, um ein Gefühl dafür zu entwickeln, was Ihnen gut tut und den Therapeuten oder die Therapeutin zu finden, bei dem/der Sie die Möglichkeit sehen, dass Sie im Laufe der Therapie Vertrauen aufbauen können. 

Bedenken Sie: eine Therapie kann mehrere Jahre dauern und ein Wechsel des Therapeuten während der Therapie ist nicht nur mit viel organisatorischem Aufwand verbunden, sondern auch mit viel Mühe auf Ihrer Seite, wenn Sie einem neuen Therapeuten wieder alles von vorne erzählen müssen. Investieren Sie daher lieber jetzt ein wenig mehr Zeit und Mühe in die Auswahl des richtigen Therapeuten.

Ausführliche Informationen über Ihre Rechte als Patient hat die BPtK in dieser Broschüre zusammengestellt. 

Therapeuten halten Termine für Sie frei

Therapeuten müssen telefonisch erreichbar sein

In letzter Instanz findet die Terminservicestelle einen Therapeuten für Sie

Wie läuft eine Therapie ab?

Am Beginn jeder Therapie steht die psychologische Sprechstunde. Für diese Sprechstunde muss jeder Therapeut 100 Minuten pro Woche freihalten, so dass gewährleistet ist, dass neue Patienten schnell Gehör finden. Im Rahmen der psychologischen Sprechstunde können Sie bis zu 6 Erstgespräche á 25 Minuten bei einem Therapeuten in Anspruch nehmen. Dieses Kontingent gilt immer pro Therapeut – unabhängig davon, wie oft sie bereits Erstgespräche geführt haben. Sie haben also die Möglichkeit, viele verschiedene Therapeuten auszuprobieren und diese Möglichkeit sollten Sie auch nutzen. 
Die Erstgespräche dienen dazu, therapeuten-seitig eine erste Indikation zu treffen und festzustellen, ob bei Ihnen eine behandlungsbedürftige Situation vorliegt. Sie sind dabei aber nicht an das Urteil eines Therapeuten gebunden, sondern können sich auch weitere Meinungen von anderen Therapeuten einholen. 

Das Erstgespräch soll Ihnen vielmehr eine Orientierung darüber geben, ob es Themen gibt, denen Sie sich widmen sollten und wie umfangreich diese Widmung voraussichtlich sein wird. Das soll Ihnen dabei helfen, ein Gefühl dafür zu entwickeln, ob der Ihnen gegenüber sitzende Therapeut und auch die von ihm/ihr angebotene Richtung der Therapie für Ihre Zwecke geeignet ist. Zu den verschiedenen Richtungen der Therapie gibt es hier noch etwas mehr Informationen. 

Falls nach den Erstgesprächen sowohl auf Therapeuten-Seite als auch auf Ihrer Seite der Eindruck besteht, dass eine gemeinsame Therapie Sinn ergibt, dann folgen die probatorischen Gespräche. 

Diese können bis zu vier Sitzungen umfassen und sind Pflicht vor der Aufnahme einer Kurz- oder Langzeittherapie. Im Rahmen dieser Sitzungen verschafft sich der Therapeut ein umfassendes Bild von der Problematik seines Patienten und versucht, einen Überblick darüber zu erlangen, wie diese Problematik therapeutisch behandelt werden kann.

Nach Abschluss der probatorischen Gespräche kann der Therapeut auf einer sicheren Basis eine eigene Therapie anbieten oder andere Optionen mit dem Patienten besprechen – beispielsweise einen Klinikaufenthalt oder einen Therapeutenwechsel.

Probatorische Gespräche können theoretisch in unbegrenzter Zahl und mit unbegrenzten Therapeuten geführt werden. Da sie jedoch keinen heilenden Charakter haben, ist zu empfehlen, sie auch nur als das zu nutzen, wozu sie gedacht sind: als Vorbereitung für eine Therapie bei dem Therapeuten, mit dem sie durchgeführt werden.

Die Beantragung der dann folgenden Kurzzeit- oder Langzeittherapie erfolgt durch den Therapeuten. Dieser entscheidet über die Anzahl der Stunden, die für seinen therapeutischen Ansatz notwendig sind, erarbeitet einen umfassenden Antrag, der ihre Krankheitsgeschichte und die geplante Therapie umfasst und wird diesen mit Ihnen besprechen.

Der Antrag wird dann anonymisiert an den medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) übermittelt und dieser entscheidet dann über die Durchführung der Therapie. Hierbei kommt es nur in den seltensten Fällen zu einer Ablehnung.

Erst im Rahmen der Therapie wird der Therapeut mit Ihnen wirklich fixe Termine in einem besprochenen Rhythmus festlegen (bspw. 1x pro Woche oder 1x pro Monat). Viele Therapeuten haben bereits einen vollen Terminplan, so dass sie nicht sofort im Anschluss an die Sprechstunde oder die probatorischen Sitzungen einen Therapieplatz anbieten können. Sollte Ihr Fall vom Therapeuten aber als akut eingestuft werden, wird dieser sich in Absprache mit Ihnen um eine Vertretung, um flexible Termine oder eine andere Lösung bemühen.

Bitte akzeptieren Sie aber auch, falls der Therapeut Ihnen eine Wartezeit und ggf. auch Optionen zur Überbrückung anbietet. Wie in der Notaufnahme auch, muss der Therapeut nach Dringlichkeit und Gefahrenlage entscheiden.

Dies ist niemals eine persönliche Entscheidung für oder gegen Sie!

 

Bei besonders akuten Fällen oder bei einem Bedarf nach einer intensiven therapeutischen Form kann ein stationärer Aufenthalt angeraten sein. 

In einer laufenden Therapie sollte ein geplanter stationärer Aufenthalt immer mit dem Therapeuten besprochen werden. 

Während eines geplanten oder ungeplanten Klinikaufenthaltes (bspw. wegen eines Zusammenbruchs oder einer Panikattacke), kann es sinnvoll sein, wenn sich die behandelnden Klinik-Ärzte mit Ihrem Therapeuten abstimmen. Dies wird allerdings ausführlich mit Ihnen besprochen. Sollten Sie noch keinen Therapeuten haben, kann der Klinikaufenthalt ggf. auch dazu genutzt werden, Kontakte zu passenden Therapeuten zu knüpfen. 

Auf ein Erstgespräch haben Sie immer Anspruch!

Therapeuten müssen sich Termine für Erstgespräche freihalten. Sollten Sie keinen Therapeuten finden, können Sie sich innerhalb von vier Wochen einen Termin durch die Terminservicestelle oder Ihre Krankenkasse verschaffen lassen. 

Welche Arten von (schulmedizinischer) Therapie gibt es?

Seelische Erkrankungen haben verschiedene Ursachen und Ausprägungen und Menschen gehen damit unterschiedlich um. Entsprechend lassen sich alle Erkrankungen auf unterschiedliche Art und Weise therapieren. 

 

In der Psychotherapie wird zwischen drei vorherrschenden Schulen unterschieden. Die meisten Therapeuten geben offen an, welcher der drei Schulen ihr Therapieangebot zuzuordnen ist. Hierdurch können Sie sich als Patient schon im Vorfeld überlegen, mit welcher Therapieform Sie einen Versuch wagen möchten.

Verhaltenstherapie

Die Verhaltenstherapie fokussiert stark auf das gegenwärtige Verhalten. Sie versucht durch Methoden der Alltagsstrukturierung, Veränderungen von Gewohnheiten und Glaubenssätzen und deren Einübung durch Wiederholung das aktuelle Erleben zu verbessern.

Teilweise wird auch in der Verhaltenstherapie analytisch in der Biographie nach Ursachen für die heutigen Konflikte gesucht. Vornehmlich liegt der Fokus aber auf einer erfolgreicheren Bewältigung des Alltags und einer Verbesserung des gegenwärtigen Erlebens und Verhaltens.

Die Verhaltenstherapie eignet sich daher vor allem dann, wenn der eigene Alltag nur schwer zu bewältigen ist und zunächst eine erste Ordnung hergestellt werden soll. Sie erzielt schnelle Erfolge, zeigt aber Schwächen in der Nachhaltigkeit ihrer Ergebnisse (Resilienz) und führt zu höheren Rückfallraten als tiefenpsychologische oder analytische Therapien.

Tiefenpsychologie

Die Tiefenpsychologie geht davon aus, dass die heutige Erkrankung ihre Ursache in einem erlebten und nicht verarbeiteten Konflikt in der früheren Biographie des Patienten hat. Sie versucht, diesen Konflikt aufzudecken und durch verschiedene Methoden dazu beizutragen, dass der Patient den Konflikt für sich auflösen kann.

Hierbei können auch begleitende Therapien wie Traumatherapie, Körpertherapie, o.ä., hilfreich sein. Da für die Aufarbeitung des Konfliktes Erinnerungsleistungen an möglicherweise erlebte Traumata notwendig sind, besteht bei der Tiefenpsychologie immer die Gefahr einer zeitweiligen Symptomverschlimmerung. Hierauf wird der Therapeut im Fortlauf der Therapie besondere Rücksicht nehmen und den Grad der Belastung mit seinem Patienten absprechen.

Die Dauer einer tiefenpsychologischen Therapie ist somit entsprechend von der Belastbarkeit und Stabilität des Patienten und von der Tiefe des erlebten Traumas abhängig.

Psychoanalyse

Die Psychoanalyse bzw. analytische Psychotherapie geht meist von einer Kombination verschiedener Traumata aus, deren Bearbeitung nicht isoliert möglich ist. Darum wird durch ein spezifisches Methoden-Set daran gearbeitet, die Ursachen der stabilen Ansichten und Verhaltensweisen in Frage zu stellen und hierdurch aufzulösen. Hierfür ist beim Patienten ein erhöhtes Reflektionsvermögen notwendig.

Zudem besteht bei der analytischen Psychotherapie insbesondere zu Beginn ein großes Risiko für zeitweilige und teilweise auch länger andauernde Symptomverschlimmerungen, da komplette traumatische Lebensabschnitte rückerinnert und Grundüberzeugungen in Frage gestellt werden. Für die Psychoanalyse ist ein außerordentlich vertrauensvolles Verhältnis zwischen Patient und Therapeuten notwendig, das erst im Laufe der Therapie entstehen kann.

Die analytische Psychotherapie gilt hinsichtlich der Resilienz als wirksamste Therapie, ist aber auch die langwierigste und anstrengendste der drei Therapieformen.

Welche Alternativen zu schulmedizinischer Therapie gibt es?

Körpertherapie

Die Körpertherapie (eigentlich: körperorientierte Psychotherapie) gehört streng genommen zur Schule der Tiefenpsychologie und geht davon aus, dass der Körper unbewusst und rational schwer zugänglich Erinnerungen abspeichert. Dabei werden Körperhaltung und -wahrnehmung dazu genutzt, unbewusste, psychische Prozesse aufzudecken.

Die Körpertherapie eignet sich vor allen Dingen für Patienten, die Schwierigkeiten damit haben, ihre Situation zu verbalisieren und in einem therapeutischen Kontext darüber zu sprechen, da bei dieser Form der Therapie viel über körperliche Muster und wenig über die sprachliche Auseinandersetzung und Erzählung gearbeitet wird.

Systemische Therapie

Die systemische Therapie ist die jüngste, kassenzugelassene, Psychotherapiemethode. Sie fokussiert vor allem auf das soziale System des Patienten und in diesem Zusammenhang häufig auf den Familienkontext.

Durch diese Herangehensweise lässt sich gerade bei krisen- , aber nicht krankhaften, Lebensverläufen eine kürzere Therapie-Dauer realisieren als bei den bisherigen schulmedizinischen Verfahren.

Kassenzugelassene und approbierte Psychotherapeuten dürfen die systemische Therapie als Kassenleistung mit anbieten.

Darüber hinaus gibt es auch systemische Berater. Diese Berater verfügen nicht über eine Kassenzulassung und die Berufsbezeichnung ist auch nicht geschützt. Üblicherweise lassen sich systemische Berater aber von der Systemischen Gesellschaft oder der DGSF zertifizieren.

Coaches

Coaches können bei krisenhaften Lebenverläufen oder wesentlichen Veränderungen im (Berufs-)Leben häufig mit erprobten Methoden weiterhelfen, die alltägliche Störungen beheben oder tiefere Ursachen sichtbar machen.

Der Begriff "Coach" ist nicht geschützt und kann daher von jedem Menschen geführt werden - ganz gleich, welche Ausbildung dahinter steckt. Gute Coaches absolvieren Weiterbildungen und zeichnen sich entsprechend durch Zertifikate aus, die sie einfach erfragen oder auf der Website einsehen können.

Coaches können hilfreich sein. Es sollte aber immer bedacht werden, dass bei tieferliegenden und größeren Problemen auch das Risiko einer Verschlimmerung der Erkrankung bestehen kann, da Coaches oft die übergreifende Ausbildung zum Umgang mit psychischen Erkrankungen fehlt und somit manchmal unbewusst Methoden angewandt werden, die einen gegenteiligen Effekt erzielen.

Gute Coaches wissen, wo sie helfen können, aber noch viel mehr, wo ihre Grenzen liegen.

Diese Aufführung ist sicherlich nicht abschließend – es gibt noch eine ganze Menge weitere Menschen und Berufsbilder, die Menschen in seelischen Krisen helfen können. 

Welche Therapieform am Ende für Sie die Richtige ist, ist immer eine ganz individuelle Frage, die sich aus vielen verschiedenen Faktoren zusammensetzt. Für den einen Menschen ist es hilfreich, tief zu graben, für den anderen ist es besser, am Hier und Jetzt zu arbeiten. Für den einen ist es wichtig, seine Vergangenheit als Ursache zu erkennen, für andere ist eine positiv-orientierte Sichtweise hilfreicher als eine (zunächst) defizitorientierte und langfristige Therapie. 

Wichtig ist, dass jeder die Grenzen der jeweiligen Therapieform kennt. Jeder Patient, aber vor allem jeder Therapeut, Berater oder Coach. Alle miteinander haben die Pflicht, das jeweils Beste und Passendste für die Gesundheit des Patienten zu tun. Das bedeutet auch, dass Behandler erkennen sollten, wenn beim Patienten ein Krankheitsbild vorliegt, das ihre Kompetenzen überschreitet. In diesem Fall sollten sie die Patienten dann entsprechend weiter verweisen. Es bedeutet aber auch, dass Patienten aufmerksam sein sollte und für sich selbst die Verantwortung zu übernehmen sollten, wenn sie feststellen, dass der Behandler nicht hilft, sondern ggf. das Leiden noch verschlimmert. 

Persönlich bin ich der Meinung, dass nur ein ausgebildeter Psychotherapeut wirklich abklären kann, ob ein Krankheitsbild bzw. eine behandlungsbedürftige, traumatische Vergangenheit vorliegt. Aber auch bei mir hat der Weg zur Erkenntnis, dass ich behandlungsbedürftig bin, über einen Coach und eine Heilpraktikerin geführt. Jeder muss hier seinen eigenen Weg finden. Wichtig ist nur, dass man sich auf den Weg macht! 

Falsche Annahmen

Es ist wohl die bekannteste Fehlannahme im Bezug auf Psychotherapeuten und es hält viele Menschen davon ab, sich überhaupt um einen Termin zu bemühen. 

Tatsache ist, dass Psychotherapeuten 100 Minuten pro Woche für Erstgespräche freihalten müssen. 

Darüber hinaus müssen sie an 200 Minuten pro Woche telefonisch erreichbar sein und die Zeiten ihrer Erreichbarkeit auf Band ansagen. 

Sollten Sie dennoch keinen Termin bei einem Therapeuten Ihrer Wahl finden, können Sie sich einen Therapeuten über die Terminservicestelle oder Ihre Krankenkasse zuweisen lassen. 

Die Novelle des Psychotherapeutengesetzes 2017 hat die Rechte der Patienten sehr gestärkt. Patienten sollten sich über diese Rechte bewusst sein. 

Ein guter Therapeut wird mit Ihnen im Vorfeld abstimmen, wie lange eine Therapie notwendig ist und was die Ziele der Therapie sind. 

Leider gibt es immer wieder Berichte von Therapeuten, die ihre Patienten über mehrere Jahre, manchmal sogar Jahrzehnte, in abhängiger Form behandeln. Dieses Verhalten ist unprofessionell und schädlich. 

Patienten haben einen Anspruch darauf, ein Behandungsziel zu vereinbaren und darüber informiert zu werden, in welchem Zeitraum dieses Ziel zu erreichen ist. 

Schlussendlich werden von der Krankenkasse auch nur bestimmte und begründete Behandlungskontingente übernommen. Ein guter Therapeut bespricht mit seinem Patienten, für welches Ziel dieses Kontingent eingesetzt werden soll. 

Die pauschale Aussage “Therapie hilft mir nicht” entstammt in vielen Fällen der Erfahrung mit einer bestimmten Therapieform und einem bestimmten Therapeuten, der im vorliegenden Fall nicht zum Erfolg geführt hat. 

Es gibt so viele verschiedene Arten von Therapie und so viele verschiedene Herangehensweisen und persönliche Eigenheiten von Therapeuten, dass ein allgemeines “das hilft” oder “das hilft nicht” eigentlich gar nicht zu halten ist. 

Umso wichtiger ist es, die richtige Therapieart und den richtigen Therapeuten auszuwählen und im Rahmen der psychologischen Sprechstunde zu testen. Nur so ist sichergestellt, dass das Stundenkontingent auch zielführend eingesetzt werden kann und die Therapie am Ende zum Erfolg führt und wirkt. 

Meistens beruht auch diese Aussage auf der Erfahrung mit einer bestimmten Therapieart und einem bestimmten Therapeuten. 

Die schulmedizinische Ausbildung zum Psychotherapeuten hat viele notwendige Auflagen zur Sicherstellung einer hohen Qualität im therapeutischen Bereich. So muss jeder Therapeut ein mehrjähriges Psychologie-Studium absolvieren, danach eine mehrjährige therapeutische Ausbildung machen und unterliegt dabei (und während der Ausübung seiner Tätigkeit) einer Supervisionspflicht, die dazu beitragen soll, dass eine Übertragung der eigenen Lebensrealität des Therapeuten auf den Patienten nicht stattfindet. 

All diese Qualitätsschranken gelten nicht für Menschen, die außerhalb des psychotherapeutischen Rahmens auftreten. 

Auch wenn Sie ggf. schlechte Erfahrungen mit einem Psychotherapeuten gemacht haben: es gibt noch so viele mehr. Darum ist die Auswahl des geeigneten Therapeuten und der geeigneten Therapieart auch so wichtig. 

Prinzipiell stellen die Qualitätsschranken im schulmedizinischen Bereich sicher, dass die Arbeit an der Psyche der Menschen nur von Profis durchgeführt wird, wie auch die Arbeit von Ärzten am Körper von Menschen nur von zugelassenen Profis durchgeführt wird. 

Wir sollten daran arbeiten, die schulmedizinischen Therapie-Angebote zu verbessern und nicht daran, sie durch weniger regulierte und dadurch riskantere Angebote zu ersetzen. 

Es gibt wirklich viele Hilfsangebote.

Lassen Sie sich nicht von Falschinformationen verunsichern!

Wichtige Begriffe

Supervision

Alle Psychotherapeuten müssen sich einer regelmäßigen Supervision unterziehen. Das bedeutet, dass sie selbst regelmäßig mit einem Psychotherapeuten sprechen, um die Dinge, die sie in der Therapie von ihren Patienten erfahren, so zu verarbeiten, dass es sie in ihrem eigenen Leben nicht beeinträchtigt. Zudem wird durch die Supervision sichergestellt, dass Therapeuten ihre eigenen Lebensthemen nicht in ihre Therapien mit einbringen und damit auf ihre Patienten übertragen. 

Übertragung

Gerade bei längerfristig angelegten Therapien kann es zur Übertragung von Gefühlen vom Therapeuten auf den Patienten kommen und umgekehrt. Der Patient erkennt im Therapeuten seinen Retter und überträgt positive Gefühle auf ihn – bis hin zum Verliebtsein. 

Umgekehrt können Therapeuten ihre ungelösten Lebensprobleme auf Patienten projizieren und versuchen, ihre Probleme im übertragenen Sinn durch den Patienten zu lösen. 

Bei Therapeuten verhindert eine gute Supervision eine solche Übertragung. Bei der Beziehung Patient-Therapeut müssen beide einen ehrlichen Umgang miteinander pflegen und über solche entstehenden Gefühle sprechen, um Übertragungen zu verhindern. 

Abstinenzregel

Oftmals kommt während der Therapie beim Patienten die Hoffnung auf, dass der Therapeut ein guter Freund werden könnte, ihm bei dies oder jenem helfen könnte oder bspw. gegen Konfliktparteien (bspw. die Eltern oder frühere Lebenspartner) vorgehen könnte. 

Die Abstinenzregel verhindert, dass sich Therapeuten darauf einlassen, ihren Patienten außerhalb des therapeutischen Rahmens unterstützend zu begegnen. 

Würden sie dies tun, würden sie das benötigt neutrale Verhältnis zwischen Patient und Therapeuten nachhaltig schädigen und so dafür sorgen, dass eine erfolgreiche Therapie erschwert oder sogar unmöglich gemacht wird. 

Psychologe

Als Psychologe dürfen sich nur die Menschen bezeichnen, die erfolgreich ein mehrjähriges, akademisches Studium der Psychologie abgeschlossen haben. 

Ein Psychologe muss nicht als Therapeut tätig sein bzw werden, sondern kann auch in der Wirtschaft, bei sozialen Trägern oder in vielfältiger anderer Manier eine Beschäftigung finden. 

Psychotherapeut

Ein Psychotherapeut hat eine mehrjährige Therapeutenausbildung absolviert, die er mit der Erlangung der Approbation (also der Zulassung als Psychotherapeut, ähnlich wie bei niedergelassenen Ärzten) abschließt. 

Die Ausbildung zum Psychotherapeuten kann nur nach einem mehrjährigen Studium der Psychologie, Medizin oder Pädagogik begonnen werden. 

Psychotherapeut (früher auch: psychologischer Psychotherapeut) ist ein freier Beruf und ein durch das Psychotherapeutengesetz streng geschützter Begriff, der erst nach der Approbation verwendet werden darf. 

Coach / Berater

Coach oder Berater sind keine gesetzlich geschützten Berufsbegriffe. Entsprechend kann sich quasi jeder Mensch Coach / Berater nennen. 

Es ist daher bei der Zusammenarbeit mit einem Coach oder Berater besonders wichtig, die erworbenen Zertifizierungen und Weiterbildungen zu prüfen und auch nachzufragen, ob der jeweilige Coach / Berater sich bspw. einer regelmäßigen Supervision unterzieht. 

Akut suizidgefährdet?

Ein Suizid ist eine endgültige Lösung für ein vorübergehendes Problem. 

Ich habe diesen Satz gehasst, als ich selbst suizidgefährdet war, denn ich dachte, dass mein Problem nicht vorübergehend ist, sondern schon seit Jahren besteht und ich dachte auch, es könnte niemals besser werden. Ich dachte, dass dieser Satz meinen Schmerz klein machen würde und dass jemand, der so etwas sagt, keine Ahnung haben kann, wovon er spricht. Denn für mich gab es in diesen schwarzen Momenten einfach überhaupt keine Hoffnung und keine Perspektive mehr. 

Heute weiß ich aber, dass es immer Hoffnung gibt. Für jeden. Der Weg dorthin kann lang sein, aber wenn man ihn geht, erlebt man Dinge, die so wundervoll sind, dass man nie gedacht hätte, dass das überhaupt möglich ist. Meine eigene Geschichte – aber auch die Geschichten von Leilani Engel und Stefan Lange – sind hierfür sehr gute Beispiele. 

Ihr Weg und Ihre Geschichte ist wahrscheinlich noch einmal eine ganz andere. Und Sie werden andere Lösungen benötigen. Die Puzzlestücke dafür kann diese Seite liefern. Ich möchte Ihnen nur zeigen, dass jede ausweglos erscheinende Situation immer einen Ausweg hat, den man manchmal einfach nur nicht sieht.

Vielleicht fehlen Ihnen heute die Kraft und die Motivation, überhaupt einen Gedanken an einen möglichen Weg zu verschwenden. Bitte setzen Sie aber das letzte bisschen Kraft und Motivation nicht ein, um in einem Moment für immer alle Optionen zu vernichten. 

Auf dieser Seite ist vielfältig beschrieben, wie Sie Ihren Weg finden und gehen können. Mit all der Hilfe um Sie herum, werden auch Sie Stück für Stück die Kraft finden, herauszufinden, wie dieser Weg für Sie aussieht, auch wenn Ihnen das heute noch fremd erscheinen mag. 

Es gibt so viele Menschen und Institutionen, die helfen wollen. Und es gibt auch Menschen, die ganz akut helfen können. Rechts bzw. unten stehen ein paar Kontaktnummern, die Sie anrufen können, wenn es Ihnen ganz akut schlecht geht. 

Vielleicht gibt es auch Menschen um Sie herum, denen Sie wichtig sind und die Sie anrufen können. Wir sehen sie in diesen Momenten oft nicht oder wollen sie nicht belasten. Aber sie sind da und sie wollen helfen. Darum ist es gut, sich diese Menschen in guten Momenten auf einen Notfallzettel zu schreiben, damit man sie einfach anrufen kann, wenn es schwarz wird. Reden hilft! Immer!

Nehmen Sie sich nicht die Chance auf ein Morgen, das so viel schöner sein kann als das Heute. Nehmen Sie den Hörer in die Hand und reden Sie mit jemandem. Oder gehen Sie direkt in eine Klinik, stellen Sie sich vor, sagen Sie, was los ist und lassen Sie sich behandeln. 

Suizidgedanken werden sehr ernst genommen. Nehmen Sie sich bitte selbst genauso ernst! 

Telefonseelsorge

0800 / 111 0 111
0800 / 222 0 222
116 123
Link zum Chat ​

Ärztlicher Notdienst

116 117

Rettungsdienst

112

Wer steckt eigentlich hinter dieser Seite?

Diese Website ist ein persönliches Projekt von mir, Ferdinand Saalbach.  

Ich habe lange Jahre die Dinge verdrängt, die mir in meiner Kindheit angetan wurden und habe sie mit Karrieredenken, Status, Geld und Frauen überdeckt. Über 35 Jahre wusste ich nicht, dass all diese Dinge das Resultat einer verantwortungslosen und grausamen Erziehung waren. Erst, nachdem ich zum dritten Mal gekündigt wurde, brach ich zusammen und begab mich in eine analytische Psychotherapie. Dort wurden die Dinge, die ich bis dahin für normal gehalten hatte, in einen anderen Kontext gerückt und es wurde für mich verständlich, dass meine Mutter mich sexuell missbraucht, meine Stiefmutter mich jahrelang gequält und mein Vater mich mein ganzes Leben lang hat verwahrlosen lassen. Dennoch wurde meine Kindheit von meinen Eltern immer als normal und liebevoll bezeichnet. Wenn es überhaupt ein Problem in meiner Kindheit gab, dann war das in meiner Persönlichkeit zu suchen. 

Ich habe zwei Selbstmordversuche hinter mir und ich war mein Leben lang latent suizidgefährdet. Bis ich in der Therapie alles aufdecken konnte und dadurch nach bisher über 2,5 Jahren therapeutischer Arbeit sehr viel Potenzial freilegen konnte. 

Meine Geschichte habe ich als Autor verlegt und ich habe einige Ideen für weitere Bücher. Ich spreche in Vorträgen auf der Bühne darüber. Zudem spiele ich als Musiker Konzerte und als Moderator bin ich für Unternehmen auf Bühnen aktiv. Als Impro-Trainer gebe ich Menschen mein Wissen über Theater-Techniken weiter und sorge so dafür, dass sie ein Stück mehr zu sich selbst finden. Meine Therapie hat all diese Dinge freigesetzt, mit denen ich mir nun mein Leben gestalte und inzwischen ein Niveau an Glück und Zufriedenheit erreicht habe, von dem ich nie gedacht hätte, dass das möglich ist. 

Als ich direkt nach meinem Zusammenbruch vor dem Scherbenhaufen meines Lebens stand und Hilfe suchte, wusste ich von all den vielfältigen Hilfsangeboten nichts. Ich dachte, man müsste ewig auf einen Therapeuten-Termin warten und ich dachte auch, dass es außer einem Therapeuten niemanden geben würde, der einem helfen möchte. Über die nächsten zwei Jahre habe ich viele Menschen und Institutionen getroffen, die mir geholfen haben und ich habe mich geärgert, dass man darauf nicht im Moment der größten Krise aufmerksam gemacht wird. Es würde einem so viel Hoffnung geben, zu wissen, wie viele helfende Hände es um einen herum gibt. 

Ich möchte, dass diese Informationen allen offen stehen und dass jeder Erkrankte und Betroffene sofort Orientierung und Überblick darüber bekommt, was ihm zusteht und wo er Hilfe suchen kann. 

Hoffnung und Perspektive sind in meinen Augen die wichtigsten Dinge, die ein Mensch in einer seelischen Notsituation braucht. Darum gibt es diese Seite. Um Hoffnung und Perspektive zu vermitteln. Wenn ich es geschafft habe, meine Geschichte zu überwinden, dann können Sie das auch! 

Ferdinand Saalbach

Mein Buch:
Steine im Rucksack

Wie kann ich diese Seite unterstützen?

Sagen Sie weiter, dass es diese Website gibt! Sagen Sie es Betroffenen, sagen Sie es Ärzten, sagen Sie es Therapeuten, Vereinen, Selbsthilfegruppen und Kliniken. 

Meine Vision ist, dass jeder, der irgendwie auf betroffene Menschen trifft, ihnen den Weg zu dieser Website weist, damit diese Menschen erkennen können, wie viele Wege zur Hilfe es für sie gibt. 

Nutzen Sie hierfür gerne nebenstehend abgebildeten Flyer, den Sie mit den Druckdaten selbst drucken oder auch bei mir direkt per Post anfordern können. 

Schreiben Sie dazu einfach eine kurze E-Mail mit Ihrer Postadresse an flyer@ferdinand-saalbach.de und spenden Sie parallel bitte ein bisschen Geld über PayPal, damit ich Druck- und Portokosten decken kann. Sie bekommen darüber hinaus auch noch ein paar Aufkleber mitgeschickt. Ich verspreche, dass ich damit keinen Gewinn erziele und alle ggf. entstehenden Überschüsse wohltätigen Zwecken spende. 

Sollte es Ihnen (aus welchem Grund auch immer) nicht möglich sein, Geld zu spenden, dann schreiben Sie mir bitte dennoch und sagen Sie mir kurz, wieso das nicht geht. Ich würde dann von Fall zu Fall entscheiden und ein Versenden ggf. auch über einen Überschuss aus Spenden vs. Kosten möglich machen. Es ist mir lieber, es kostet mich ein paar Euro, als dass irgendwer ohne Flyer bleibt. 

 

Ich biete auch gerne an, dass ich als Person auf Konferenzen o.ä. auftrete, die Seite dort vorstelle und Flyer und Aufkleber mitbringe, die an die Teilnehmer verteilt werden können. Wenn Sie hierzu Ideen haben, sprechen Sie mich gerne an

Sie haben noch weitere Ideen, wie Sie helfen können? Sagen Sie es mir, indem Sie entweder über oben stehende E-Mail-Adresse oder über mein Kontaktformular auf www.ferdinand-saalbach.de Kontakt aufnehmen. 

Weitere Hilfsangebote, Links und Bücher

Bücher empfehlen finde ich ganz schwierig, da Bücher bei jedem etwas vollkommen anderes auslösen können. Ich möchte dennoch ein paar Bücher mit aufführen, die bei mir persönlich etwas bewirkt haben. Meine Einschätzung dazu findet sich dann immer per Klick zum Aufschieben:  

Das Buch macht eine zentrale Botschaft sehr sehr deutlich: es gibt keine Sachzwänge im Leben. Alles, was wir tun, tun wir, weil wir uns jeden Tag aufs Neue dafür entscheiden. Das klingt sehr simpel und ruft sofort eine Menge Widerspruch in einem hervor, aber wer das Buch gelesen hat, dem wird – auch aufgrund sehr eindrucksvoller und teilweise extremer – Beispiele klar, wie wahr diese Botschaft ist.

Ich habe nach dem Lesen viel Willen gespürt, bessere Entscheidungen zu treffen, war aber zunächst frustriert, dass mir der Weg dorthin nicht sofort klar wurde. Es dauerte auch noch ein paar Jahre, bis ich erkennen konnte, was dafür alles nötig sein würde. Heute sehe ich das Buch aber als einen meiner ersten Wegbereiter dorthin. 

Geschichten für Erwachsene, die immer wieder eine kleine, wertvolle Weisheit enthalten. Eingebettet sind die über 30 Geschichten in eine Art Therapie-Setting, in der der Patient mit einem Problem zu seinem Therapeuten kommt und der ihm eine dazu passende Geschichte erzählt. 

Ein Buch, das so voll mit bemerkenswerten Lehren ist, dass ich es nicht nur mehrfach gelesen habe, sondern auch bei verschiedenen Gelegenheiten schon zum Vorlesen und Verschenken genutzt habe und aus dem ich zu gegebener Zeit vielleicht mal eine Kombi aus Konzert und Lesung machen möchte. 

Das Buch zeigt verschiedene Formen von Missbrauch und Verwahrlosung in der Kindheit auf. Dabei erklärt die Autorin auch anhand zahlreicher Beispiele, auf wie vielfältige und unbemerkte Weise Eltern ihre Kinder missbrauchen können. 

Die Beispiele sind oft sehr plastisch und simpel, zeigen aber doch auch immer wieder, dass selbst bei eindeutigem Fehlerverhalten der Eltern die Kinder dazu neigen, im Erwachsenenalter das Verhalten ihrer Eltern in Schutz zu nehmen und zu verharmlosen.  

Susan Forward liefert zudem in ihrem Buch eine systematische Methode zur Konfrontation der Eltern, die für mich persönlich sehr wichtig und wertvoll war. Diese kann geschehen, indem man die Eltern tatsächlich konfrontiert oder indem man die Konfrontation einfach nur für sich selbst durchführt und damit die Schuld an den Dingen, die man selbst erlebt hat, dorthin gibt, wo sie hingehört.  

In diesem Buch wird sehr anschaulich erklärt, wie Erziehung und Gehirnfunktion miteinander zusammenhängen und wie Ängste und Depression neurologisch funktionieren. 

Über dieses Buch ist mir klar geworden, dass selbst (oder gerade) Ereignisse in sehr früher Kindheit einen großen Einfluss auf das ganze spätere Leben ausüben können, der einem nur selten klar wird. In Verbindung damit, wie sich meine Eltern heute verhalten und dem daraus folgenden Rückschluss darauf, wie sie sich wohl verhalten haben, als ich ein Baby bzw. ein Kleinkind war, konnte ich mir viele “Fehlschaltungen” erklären. 

Natürlich wäre es etwas komisch, wenn ich hier Bücher aufzähle und dabei mein Eigenes verschweige. 

“Steine im Rucksack” ist ein Erfahrungsbericht über meine ganz persönliche Geschichte, so aufgebaut, wie ich meinen Weg selbst erlebt habe. Von meiner Getriebenheit in meiner erfolgreichen Agentur-Karriere und der absoluten Verdrängung aller psychischen Probleme und dem Gedanken, dass die Sucht nach Status, Geld und Frauen etwas ganz Normales sei, bis hin zur Kündigung, zum Zusammenbruch und dem langsamen Aufdecken der schlimmen Dinge in meiner Kindheit.

Wer interessiert ist, kann hier einen tieferen Blick werfen und findet auch ein paar Links zum Kaufen: www.ferdinand-saalbach.de/buecher/ 

Osho mag zunächst etwas esoterisch wirken (und der Schreibstil macht das nicht unbedingt besser). Es liegt aber in meinen Augen eine Menge Weisheit in dem, was Osho in diesem Buch sagt. 

Wer sich nicht vor spirituellen Worten fürchtet und das für sich einordnen kann, ohne es gleich als die finale Weisheit zu betrachten, der ist mit diesem Buch als Inspirationsquelle sicher auch gut bedient. 

Es nimmt der Angst etwas die überbordende Größe, mit der sie einen sonst zu erschlagen vermag. 

Das Buch gilt als DER Bestseller zum Thema “inneres Kind”. Ich persönlich habe das Buch gelesen, als ich mich mitten in der Therapie befand und dachte, dass es in meinen Augen irgendwie doch etwas zu einfach ist, einfach ein Buch mit ein paar Methoden zu lesen und zu denken, dass einen das final heilen könnte. 

So sollte es in meinen Augen auch nicht gelesen werden. Es kann eine Anregung dafür sein, sich intensiver mit sich selbst und seiner Geschichte zu beschäftigen. Es sollte aber auch jedem klar sein, dass größere Probleme nur mit externer Hilfe und nicht in Selbsttherapie auf Basis eines Buches zu lösen sind. 

Ohnehin halte ich es für eine große Gefahr, wenn Menschen denken, sie müssten ihre Probleme selbst lösen. Denn das erhält einen sehr problematischen Gedanken: wenn ich dafür verantwortlich bin, mein Leben in den Griff zu bekommen, dann bin ich auch schuld daran, wenn ich das nicht schaffe. Dieser Gedanke ist giftig. Und Hilfe (auch und gerade externe und professionelle Hilfe) ist nichts Falsches, sondern oft notwendig. Und es ist für jeden okay, sie in Anspruch zu nehmen! 

Natürlich gibt es noch viel mehr Bücher zum Thema und es ist ein ganz individueller Weg, welche Bücher helfen und welche nicht. 

Bücher, die ich bewusst nicht aufgeführt habe, sind eben jene, die Depressionen lediglich beschreiben oder sogar verniedlichen und auf lustige Art wie eine Marotte darstellen. Diese Bücher implizieren oft, dass man Depressionen eben aushalten muss und lernen sollte, damit zu leben. Ich halte Depressionen in den meisten Fällen aber für heilbar und nicht für etwas, das man einfach hinnehmen sollte. 

In den meisten Fällen haben Depressionen einen Ursprung, der sich über Jahre ggf. auch organisch so verfestigt hat, dass bestimmte Gehirnfunktionen nachhaltig geschädigt sind. Das bedeutet aber nicht, dass das für immer so bleiben muss. In vielen Fällen gibt es Hoffnung auf Heilung, auch wenn der Weg dorthin lang ist. 

Bücher, die Depression lediglich beschreiben oder verniedlichen, tragen in meinen Augen dazu bei, Menschen in der Krankheit zu halten, indem sie ihnen das Gefühl geben, dass man Depressionen aushalten kann und sollte. In der Folge kann das dazu führen, dass Menschen denken, es sei sinnvoll, zu lernen, mit der Depression zu leben anstatt sie aktiv anzugehen. Das führt dann zu einer Art fataler Resignation, in der diese Menschen verharren und festhängen. Das möchte ich nicht unterstützen und darum führe ich diese Bücher hier auch nicht auf – auch wenn sie zugegebenermaßen leider oft ziemlich populär sind. 

Disclaimer

Diese Seite ist mein persönliches Projekt. Ich habe sie nach bestem Wissen und Gewissen, auf Basis meiner Erfahrungen, intensiver Recherche und in Abstimmung mit mir bekannten Psychotherapeuten und Fachkräften erstellt. 

Trotz aller Sorgfalt, Arbeit und Abstimmung können sich natürlich Fehler oder Unklarheiten einschleichen. Sollte Ihnen diesbezüglich etwas auffallen oder sollte ein Link nicht mehr funktionieren, dann kontaktieren Sie mich bitte und helfen Sie so mit, diese Seite immer auf dem bestmöglichen Stand zu halten.

Darüber hinaus möchte ich anmerken, dass auf dieser Seite überproportional häufig die generisch-maskuline Form verwendet wird, bspw. bei der Bezeichnung von Patient*innen und Therapeut*innen. Dies hat ausschließlich mit der Lesefreundlichkeit des Textes zu tun. Diese Seite richtet sich an Menschen in Not, die schnell und effizient an Informationen gelangen sollen. Daher habe ich die – möglicherweise auch nur marginal erhöhte – Lesefreundlichkeit über die geschlechterkorrekte Schreibweise gestellt und bitte dies schon im Vorfeld zu entschuldigen.